Kannst du etwas uns etwas über dich erzählen?
Gerne, mein Name ist Martijn Rozendaal und ich komme ursprünglich aus Ootmarsum (NL). Zusammen mit meiner Frau Margreet habe ich im Juli 2022 die Malle Mühle eröffnet. Früher habe ich hier als Nebenjob gearbeitet, damals hieß es noch „Grafschafter Teestube“. Schon damals habe ich mich in diesen Ort verliebt, weil er so viel Geschichte hat. Allerdings ging ich zum Studieren nach Utrecht und zog 1999 nach Amsterdam, wo ich schließlich 15 Jahre lang lebte.
Im Jahr 2000 habe ich zusammen mit einem Partner den „Hapgids“ gegründet, und mit dem Aufkommen des Internets haben wir diesen später mit Just Eat fusioniert. Dieses Unternehmen haben wir schließlich 2014 verkauft, als Just Eat an die Londoner Börse ging. Im Jahr 2013 habe ich zudem ein ähnliches Unternehmen gegründet, Treatwell, das sich jedoch auf Schönheitsbehandlungen konzentrierte. Keine 1,5 Jahre später hatten wir bereits 120 Mitarbeiter in 3 Ländern. Dieses Unternehmen haben wir dann ebenfalls verkauft, und danach hielten wir es für an der Zeit, inne zu halten.
Zu diesem Zeitpunkt beschlossen meine Frau und ich, dass wir nicht mehr in der Stadt leben wollten, und zogen zurück in meinen Geburtsort Ootmarsum. Dort kauften wir ein Grundstück und zogen mit meinen Eltern, meiner Schwiegermutter und unserer mittlerweile dreiköpfigen Familie dorthin. Als der Jüngste in die Grundschule kam, juckte es mich wieder, etwas zu unternehmen.
Wie bist du dann in die Gastronomie gekommen?
Das hat sich buchstäblich zufällig ergeben. Wie es ein Niederländer eben so macht, der in Deutschland tanken geht, und so bin ich in Deutschland wieder bei der Teestube gelandet. Ich habe hier natürlich früher gearbeitet und sah, dass sie zu vermieten war. Ich glaube wirklich, dass die Lage sehr wichtig ist, und die ist hier perfekt. Es fühlt sich an, als säße man auf seiner eigenen Insel. So entstand die Idee, hier in der Gastronomie anzufangen.
Allerdings sah ich, dass das Gras rund um das Gebäude hoch stand, es viel überfälligen Instandhaltungsbedarf gab und dass es geschlossen war. Da sagte ich zu meiner Frau: Wir steigen in die Gastronomie ein. Gesagt, getan: Ich habe Kontakt zur Stiftung Twickel aufgenommen und wir haben uns mit ihnen an einen Tisch gesetzt. Anschließend haben wir mit dem Umbau begonnen, der etwa zwei Jahre gedauert hat. Im Sommer 2022 konnten wir schließlich den Betrieb aufnehmen. Außerdem betreiben wir hier auch ein B&B im Molenaarshuis auf der anderen Straßenseite, das aus der Zeit um 1840 stammt.
Die Malle Mühle hat eine reiche Geschichte - kannst du uns etwas mehr darüber erzählen?
Wir befinden uns hier auf dem Landgut Lage der Stiftung Twickel, und dieses Gebiet ist etwa 600 Hektar groß. Die Geschichte dieses Ortes reicht weit zurück, es gibt sogar Dokumente aus dem Jahr 1100. Die Wassermühle, nach der unser Betrieb benannt ist, ist daher mehr als 750 Jahre alt. Zum Vergleich: Das ist älter als die Stadt Amsterdam. Twickel besitzt hier hauptsächlich Wälder und Wiesen, aber hier in Lage befinden sich auch das Landgut Lage und die Wassermühle. Dieses Gebiet war von 1648 bis 1806 die „Heerlijkheid Lage“. Das bedeutet, dass es nicht Eigentum der Kirche oder des Königs war, sondern dass der Herr über dieses Gebiet herrschte. Außerdem gehörte es damals weder zu den Niederlanden noch zu Deutschland. Die Herren von Twickel haben sich seit 1642 dafür eingesetzt, die Unabhängigkeit des Gebiets zu wahren. Eine besondere Geschichte, nicht wahr?!