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Beukenhorst besucht: Malle Mühle

04.05.2026

Vom Internetunternehmer in Amsterdam zum Gastronom in Lage (DE). Die Geschichte von Martijn Rozendaal, der gemeinsam mit seiner Frau Margreet die Malle Mühle betreibt, ist gelinde gesagt inspirierend. Wir haben Martijn in seiner Malle Mühle besucht und mit ihm über die reiche Geschichte dieses Ortes, seinen Werdegang als Unternehmer und das gut laufende Gastronomieunternehmen gesprochen, das sie gemeinsam führen.

Kannst du etwas uns etwas über dich erzählen?

Gerne, mein Name ist Martijn Rozendaal und ich komme ursprünglich aus Ootmarsum (NL). Zusammen mit meiner Frau Margreet habe ich im Juli 2022 die Malle Mühle eröffnet. Früher habe ich hier als Nebenjob gearbeitet, damals hieß es noch „Grafschafter Teestube“. Schon damals habe ich mich in diesen Ort verliebt, weil er so viel Geschichte hat. Allerdings ging ich zum Studieren nach Utrecht und zog 1999 nach Amsterdam, wo ich schließlich 15 Jahre lang lebte.

Im Jahr 2000 habe ich zusammen mit einem Partner den „Hapgids“ gegründet, und mit dem Aufkommen des Internets haben wir diesen später mit Just Eat fusioniert. Dieses Unternehmen haben wir schließlich 2014 verkauft, als Just Eat an die Londoner Börse ging. Im Jahr 2013 habe ich zudem ein ähnliches Unternehmen gegründet, Treatwell, das sich jedoch auf Schönheitsbehandlungen konzentrierte. Keine 1,5 Jahre später hatten wir bereits 120 Mitarbeiter in 3 Ländern. Dieses Unternehmen haben wir dann ebenfalls verkauft, und danach hielten wir es für an der Zeit, inne zu halten.

Zu diesem Zeitpunkt beschlossen meine Frau und ich, dass wir nicht mehr in der Stadt leben wollten, und zogen zurück in meinen Geburtsort Ootmarsum. Dort kauften wir ein Grundstück und zogen mit meinen Eltern, meiner Schwiegermutter und unserer mittlerweile dreiköpfigen Familie dorthin. Als der Jüngste in die Grundschule kam, juckte es mich wieder, etwas zu unternehmen.

Wie bist du dann in die Gastronomie gekommen?

Das hat sich buchstäblich zufällig ergeben. Wie es ein Niederländer eben so macht, der in Deutschland tanken geht, und so bin ich in Deutschland wieder bei der Teestube gelandet. Ich habe hier natürlich früher gearbeitet und sah, dass sie zu vermieten war. Ich glaube wirklich, dass die Lage sehr wichtig ist, und die ist hier perfekt. Es fühlt sich an, als säße man auf seiner eigenen Insel. So entstand die Idee, hier in der Gastronomie anzufangen.

Allerdings sah ich, dass das Gras rund um das Gebäude hoch stand, es viel überfälligen Instandhaltungsbedarf gab und dass es geschlossen war. Da sagte ich zu meiner Frau: Wir steigen in die Gastronomie ein. Gesagt, getan: Ich habe Kontakt zur Stiftung Twickel aufgenommen und wir haben uns mit ihnen an einen Tisch gesetzt. Anschließend haben wir mit dem Umbau begonnen, der etwa zwei Jahre gedauert hat. Im Sommer 2022 konnten wir schließlich den Betrieb aufnehmen. Außerdem betreiben wir hier auch ein B&B im Molenaarshuis auf der anderen Straßenseite, das aus der Zeit um 1840 stammt.

Die Malle Mühle hat eine reiche Geschichte - kannst du uns etwas mehr darüber erzählen?

Wir befinden uns hier auf dem Landgut Lage der Stiftung Twickel, und dieses Gebiet ist etwa 600 Hektar groß. Die Geschichte dieses Ortes reicht weit zurück, es gibt sogar Dokumente aus dem Jahr 1100. Die Wassermühle, nach der unser Betrieb benannt ist, ist daher mehr als 750 Jahre alt. Zum Vergleich: Das ist älter als die Stadt Amsterdam. Twickel besitzt hier hauptsächlich Wälder und Wiesen, aber hier in Lage befinden sich auch das Landgut Lage und die Wassermühle. Dieses Gebiet war von 1648 bis 1806 die „Heerlijkheid Lage“. Das bedeutet, dass es nicht Eigentum der Kirche oder des Königs war, sondern dass der Herr über dieses Gebiet herrschte. Außerdem gehörte es damals weder zu den Niederlanden noch zu Deutschland. Die Herren von Twickel haben sich seit 1642 dafür eingesetzt, die Unabhängigkeit des Gebiets zu wahren. Eine besondere Geschichte, nicht wahr?!

Wie würdest du die Malle Mühle beschreiben?

Wir wollten hier klein anfangen mit Kaffee und Kuchen, denn dafür ist Deutschland bekannt. Deshalb suchten wir nach einem guten Kaffeelieferanten und sind so bei euch gelandet. Leckere Kaffee und guter Service – das passt also gut zusammen. Den Kuchen-Teil übernehmen unsere Nachbarinnen, sie sind Deutsche und das Backen von Kuchen ist ihre große Leidenschaft. Sie wollten die Kuchen für die Malle Mühle backen, und für sie haben wir in diesem Gebäude auch eine kleine Bäckerei eingerichtet. Wir backen also alle unsere Kuchen selbst, vom Käsekuchen bis zur Schwarzwälder Kirschtorte.

Anfangs schauten die Deutschen skeptisch zu: Niederländer, die in Deutschland Kuchen backen und servieren wollten. Es hat eine Weile gedauert, bis sie sich daran gewöhnen konnten, aber mittlerweile kommen die Gäste von nah und fern. Wir legen großen Wert auf Qualität und die Zutaten, die wir verwenden – das schmeckt man. Der erste Sommer war sofort ein Erfolg, die Leute waren froh, dass dieser wunderschöne Ort wieder geöffnet war. Außerdem liegen wir günstig an den Fahrradrouten aus Twente und dem Grafschaft Bentheim. Heutzutage kommen die Gäste aus allen Ecken, das empfinde ich wirklich als Kompliment.

Ehrlich gesagt war es am Anfang manchmal chaotisch, weil an schönen Tagen unglaublich viel los war und wir natürlich keine Erfahrung in der Gastronomie hatten. Das war reines Überleben, und im zweiten Jahr haben wir es anders angegangen. Wir haben uns mehr auf das Mittagessen konzentriert, was auch für mehr Umsatz sorgt. Wir machen vieles selbst, von unserer Quiche bis zum Flammkuchen. Unser Motto lautet: Wir machen, was uns Spaß macht, und wir servieren, was uns schmeckt. Wir bleiben uns selbst treu, und so haben wir jeden Tag viel Spaß mit dem Team.

Wie bleibt man in all dem Trubel sich selbst treu?

Indem wir natürlich das tun, was uns selbst Spaß macht. Wir nehmen nur Produkte auf die Karte, hinter denen wir selbst stehen. Außerdem organisieren wir auch Aktivitäten rund um die Wassermühle. An Tagen, an denen dort ein Tag der offenen Tür stattfindet, kommt Martin Lammers hierher, um Brot zu backen. Das findet ab April jeden Monat statt und macht uns unglaublich viel Spaß. Von Juni bis September veranstalten wir außerdem jeden Monat einen Cocktailabend, der sofort ein großer Erfolg war. Wir verwandeln die Kaffeebar in eine Cocktailbar, und bei schönem Wetter und dem Blick auf die Wassermühle ist das natürlich fantastisch.

Im ersten Jahr hatten wir außerdem das ganze Jahr über geöffnet, aber jetzt machen wir eine „Winterpause“. Wir sind noch auf dem Weihnachtsmarkt hier in Lage dabei und danach haben wir ab März wieder geöffnet. Wir genießen also die ersten und die letzten Sonnenstrahlen. Das Gastgewerbe ist natürlich sehr intensiv. Wir haben eine junge Familie, daher können wir während der Pause wieder neue Energie tanken und alles verbessern. Ein Gastronomiebetrieb ist natürlich mehr als nur das Führen des Cafés, es geht auch um Einkauf, Verwaltung und Personalplanung. Die Malle Mühle ist wirklich unser Leben, daher sind wir immer damit beschäftigt.

Welche Zukunftspläne hast du für die Malle Mühle?

Es ist uns nach wie vor wichtig, alles weiterhin mit Sorgfalt zu erledigen. Das bedeutet auch, dass wir uns gut um diesen Ort kümmern wollen. Er soll idyllisch und gemütlich bleiben. Sonntags stehen manchmal schon um 11:00 Uhr 30 Leute vor dem Eingang, und dann gehen so viele Bestellungen ein – das ist einfach der Wahnsinn. Wir versuchen, einen Weg zu finden, damit es Spaß macht und überschaubar bleibt, damit wir uns auf das konzentrieren können, was wir gut können. Außerdem erweitern wir die Speisekarte zum Beispiel um einen Salat und eine Snackplatte, damit man hier den ganzen Tag gemütlich sitzen und alles bestellen kann. Ich finde es auch schön, den Deutschen mal etwas anderes zu servieren, wie niederländische Bierspezialitäten und Bitterballen.

Wir sind stolz darauf, was wir in kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben und wie wir zu echten Gastronomen geworden sind. Wir haben eine schöne Terrasse, ein Café und ein B&B. Damit haben wir natürlich alle Hände voll zu tun. Auch unsere Kinder fangen langsam aber sicher an, im Betrieb mitzuarbeiten, das finde ich unglaublich schön. Wenn wir jeden Tag Spaß haben, dann haben wir unser Ziel erreicht.

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